Was ist Boxen ?

Seit vielen Jahrzehnten lockt das Boxen in Deutschland ein Millionenpublikum an. An großen Kampftagen vereint es am Ring mühelos Intellektuelle, Filmsternchen und die Herren der Halbwelt, es polarisiert und fasziniert. Die Erfolge der Boxer aus heimatlichen Gefilden haben dafür wohl den Ausschlag gegeben. Auch wenn es ein paar Gründe gibt, Henry Maske zu kritisieren, haben wir Boxfans ihm doch eine Menge zu verdanken: Ohne seinen Erfolg und sein gepflegtes Auftreten außerhalb des Ringes hätte dieser Boom wohl kaum stattgefunden.

Man unterscheidet im Boxsport zwischen Amateuren und Profis. Die Amateure führen den Sport nur als Freizeitbeschäftigung aus, während die Profis versuchen, vom Boxsport zu leben. Die Amateure kämpfen für d. Bestätigung ihrer Leistung im Training. Die Profis kämpfen primär für Geld und ihren Ruf. Ist der Ruf, resp. der Bekanntheitsgrad grösser, finden sie eher Sponsoren und Chancen für Titelkämpfe. Wer bekannt werden will, muss auffallen, denn die Zuschauer wollen nur für bekannte Leute zahlen. Dies ist neben dem Absolvieren von guten Kämpfen auch durch eine grosse Klappe oder durch ein aussergewöhnliches Privatleben möglich.

Der Profisport muss strengstens vom Amateurboxen unterschieden werden. Unzählige Leute wissen nicht einmal, dass Amateurboxen existiert, obwohl sich die Amateure schon seit Beginn an der Olympiade und seit 1974 auch in Weltmeisterschaften messen. Die Amateure tragen wie die Profis einen Tief-, einen Mundschutz und zusätzlich einen Helm. In Deutschland wie international tragen sie 4 Runden à 2 Minuten aus. Durch die relativ kurze Kampfzeit, die strenge medizinische Überwachung und das rasche Eingreifen des Ringrichters, werden die Kämpfe äusserst selten durch K.O. gewonnen. Die häufigsten Resultate sind der Punktsieg und der Sieg durch frühzeitigen Abbruch des Kampfes (durch den Ringrichter oder den Trainer) wegen Überlegenheit des einen Boxers.

Im Ring stehen sich die Boxer vollkommen gleich und auf sich allein gestellt gegenüber, denn der Boxsport duldet keine Bevorteilung, weder durch körperliche Ausmasse, noch durch bessere Waffen. Durch freiwillige Unterwerfung unter die Kampfregeln verpflichten sich die Kämpfer zu anständiger Kampfesführung und Achtung des Gegners. Richtig betrieben, entwickelt der Boxsport den Charakter und die Persönlichkeit, festigt die Gesundheit und ermöglicht es, sich im Ernstfall gegen tätliche Angriffe zu verteidigen. Ausser dem Erwerb eines sportgestählten Körpers verhilft Boxen zu Selbstbeherrschung, Entschlossenheit und zur allbekannten "Niemals-gib-auf-Gesinnung".

Ist Boxen gefährlich?

Im Dezember vergangenen Jahres forderte die Welt-Ärzte-Organisation (WMA) erneut ein totales Verbot der Sportart Boxen. Auslöser der Debatte war die lebensbedrohende Kopfverletzung des britischen Federgewichtlers Paul Ingle. Vor einigen Tagen wurde auch Ex-Weltmeister Greg Page nach seiner schweren KO-Niederlage gegen den wesentlich jüngeren Dale Crowe in ein Krankenhaus eingeliefert. Solche Ereignisse entfachen immer wieder neue Diskussionen über den Gefährlichkeitsgrad des Boxsports.

Da ich selber boxe, bleibe ich von diesem Thema natürlich auch nicht unberührt. Hier möchte ich Ihnen meine persönliche Überlegungen über die Gefahren des Boxens präsentieren.

Das Boxen hat mit einer weit verbreiteten Meinung zu tun, die viele vor ihren Augen haben. Wenn die Leute den Begriff "Boxen" hören, denken sie sofort an eine blutende und meist breite Nase oder an ein Feilchen unter dem Auge.

Viele sehen heute die Boxlegende Muhammad Ali mit zitternden Händen und Sprachstörungen vor sich. Sind das wirklich typische Folgen des Boxsports? Oder sind das die berühmten Ausnahmen, die Presse und Fernsehen besonders gern hervorheben? Denn es war der Wille des aktiven Berufsboxers gewesen, im vorgeschrittenen Alter nochmals Kämpfe zu bestreiten, die ihn erneut zu Höchstleistungen im sportlichen Wettkampf zwangen, als die Ärzte bereits deutlich "nein" gesagt und von Hochleistungen abgeraten hatten.

Einige Zeitungen bringen Berichte und Zahlen, die vielen Überprüfungen in Wirklichkeit nicht standhalten. Leider wird in solchen Reportagen das Profiboxen und der Amateurboxsport immer in einem Atemzug genannt. Ich bin ein bekennender Profiboxfan. Mich fasziniert Profiboxen, wie viele andere auch. Aber es muss einfach gesagt werden, dass das Amateurboxen mit dem Profigeschäft nicht zu vergleichen ist. In meinem Bericht ist ausschließlich vom Amateurboxen die Rede.

Wenn über die Gefahren des Boxsports gesprochen wird, muss auf jeden Fall erwähnt werden, dass sie nicht größer sind als in anderen Sportarten auch. Im Vergleich zu einigen Ballsportarten ist die Anzahl der Verletzungen sogar geringer. Der Boxkampf an sich ist eigentlich nur dann wirklich gefährlicher als ein Wettkampf in einer anderen Sportarten, wenn er unsachgemäß oder ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Kämpfer betrieben wird.

So wie in anderen Sportarten im Laufe der Jahre ein Anstieg der Rekorde zu verzeichnen ist, verändert sich auch beim Boxen die Technik und die Schlagkraft der Spitzenkämpfer. Während man früher im "Cowboy-Stil" ausholte und "Schwinger" austeilte, schlägt heute selbst jeder mittelmäßige Boxer ansatzlos.

Die Empfindlichkeit des Menschen gegenüber harten Kopf- und Körpertreffern und die häufige Schlageinwirkung werden dagegen wohl niemals trainierbar oder reduzierbar sein. Sollte man also deswegen das Boxen verbieten? Das hat schon der römische Kaiser Theodosius (400 n. Chr.) versucht... und es wurde trotzdem weiter geboxt.

Das Ziel des Amateurboxsports ist es, den, nur im Sport existierenden, Gegner mit technischen Mitteln zu besiegen, wobei die technisch-taktische Kampfesführung höher bewertet als eine wilde Schlägerei und blindes "um sich Hauen".

Die wohl am meisten als Gefahr für das Boxen angeführte KO-Entscheidung, die gemeinhin als Synonym für Verrohung, Feindseligkeit und Verletzungen steht, spielt hier sogar nur noch eine untergeordnete Rolle: Zum Beispiel sind bei den insgesamt 198 Kämpfen der Junioren-Europameisterschaft 2000 nur vier Kämpfe durch KO entschieden worden.

Auch durch die professionelle Mitwirkung eines Sportarztes am gesamten Boxablauf erhöht sich der Grad der medizinischen Betreuung so, dass das Boxen sogar beispielhaft für andere Sportarten ist. Eine jährliche, sportärztliche Untersuchung ist beim Boxen Pflicht. So muss der Arzt zunächst die sportliche Tauglichkeit untersuchen: Diese Untersuchung soll vor Beginn des Trainings vorgenommen werden und wird jedes Jahr wiederholt.

Vor jedem Wettkampf muss der Arzt die Wettkampftauglichkeit bestätigen - das erfordert die Anwesenheit eines Arztes bei jedem Wettkampf. In den Regeln ist ein Mitspracherecht des Arztes bei Beendigung des Kampfes aus medizinischen Gründen festgelegt. Auf jeden Fall kann man mit Sicherheit sagen, dass Grundtraining des Boxens, zum Beispiel das Training, das der Anfänger zunächst absolvieren muss, (Gymnastik, Gerätearbeit, Partnerübungen usw.) keine besonderen Gefahren in sich bringt.

Zielsetzung des Boxtrainings ist ein umfassender Aufbau der Ganzkörperkondition, eine Ausbildung der verschiedenen Muskelgruppen, der Geschicklichkeit, des Reaktionsvermögens und des Selbstvertrauens. Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für die Einstellung eines Sportlers, von dem Fairness, Einsatzbereitschaft, Disziplin und Mut erwartet wird. Nebenbei sei erwähnt, dass der Boxsport eine gute Möglichkeit der Selbstverteidigung bietet. Nun merke ich, dass ich von meinem Thema abgewichen bin und langsam anfange für meine Lieblings-Sportart zu werben...

Quelle:
www.kontaktrunde.de